Strukturen und sonnenbeschienene Gewässer für den Kammmolch

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17 Kleingewässer und Schlatts in der strukturreichen Landschaft südlich von Sörhausen und Leerßen bilden das FFH-Gebiet „Kammmolchbiotop bei Syke“. Diese werden schon seit Jahrzehnten durch Pflegemaßnahmen erhalten. Das Gebiet soll nun als Landschaftsschutzgebiet „Schlatts in der Leerßener Moorheide“ hoheitlich gesichert werden.

Grenzschlatt
Das Grenzschlatt in den 80er Jahren

Das Schlattprogramm der Stiftung Naturschutz setzte schon Ende der 80er Jahre Maßnahmen um

Bereits seit über 20 Jahren setzt die Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz in diesem Gebiet Maßnahmen um. Dies geschah im Zuge des Schlattprogramms der Stiftung, welches sich für den Erhalt dieser „Augen“ der Landschaft seit 1984 einsetzt. Dabei ist es in enger Zusammenarbeit mit den Flächeneigentümern und der Landwirtschaft gelungen die Ökologie von über 300 Kleingewässern/Schlatts durch umfangreiche Gestaltungsmaßnahmen zu verbessern und sie somit als Lebensräume für die davon abhängigen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Auch die Maßnahmen im Kammmolchbiotop Syke waren Teil dieses Programms. 1989 und 1990 wurden die Gewässer gesäubert, entschlammt und deren Ufer abgeflacht. Außerdem konnten Pufferzonen geschaffen werden und die Gewässer wurden eingezäunt.

Fieberklee (Menyanthes Trifoliata) von Christian Fischer
Fieberklee (Menyanthes Trifoliata) von Christian Fischer

Momentan stehen die beiden großen Schlatts im Fokus

Im Fokus der Maßnahmen stehen derzeit die beiden großen Schlatts im Gebiet. Das „Grenzschlatt“ im Norden der Fahrenhorster Weg weist eines der größten Fieberklee-Vorkommen (Menyanthes trifoliata) in unserer Region auf. Dieser sogenannte Schwingrasen ist typisch für ein dystrophes, also nährstoffarmes, Gewässer, jedoch das massenhafte Vorkommen an Fieberklee ist extrem selten. Um dieses Vorkommen zu erhalten ist es wichtig, die Verlandung durch Birken zu reduzieren und den Wasserkörper nicht zu nutzen.

 

Entschlammung im Leerßer Schlatt von Heinfried Köster
Entschlammung im Leerßer Schlatt von Heinfried Köster

Der NABU Syke e.V. betreut das Leerßer Schlatt seit 10 Jahren

Das „Leerßer Schlatt“ wird seit 10 Jahren vom NABU Syke e.V. betreut. Dieser ist der andere dystrophe See, weshalb auch dieser See offen gehalten wird. Der NABU führt hier Maßnahmen zur Offenhaltung und Entschlammung durch, um das dystrophe Gewässer zur erhalten und einen Rückzugsort für den Kammmolch zu schaffen.

 

Der Kammmolch als Zielart im Gebiet

Zielart in diesem FFH-Gebiet ist der Kammmolch (Triturus cristatus), der hauptsächlich in den kleineren Gewässern und im Winter auch in den Wäldern und Gebüschen im Gebiet vorkommt.

Kinderstube auf dem Sonnendeck

Die Laichgewässer des Kammmolchs sind sonnenexponierte Gewässer. Hier ist es wichtig diese von Gehölzen freizustellen und Flachwasserzonen zu schaffen. Nach der Paarung legt das Weibchen mehrere hundert  Eier, in durch die Hinterbeine zu kleinen Tüten geformten Blättern von Wasserpflanzen, ab. Die Entwicklung der Eier hängt stark mit der Temperatur zusammen, deshalb sollten die Gewässer möglichst flach und sonnenbeschienen sein.

Wenn die Larven nach 5 bis 30 Tagen geschlüpft sind, stellen Fische eine besondere Gefahr dar. Deshalb sollten die Gewässer möglichst fischfrei sein. Wenn das Gewässer im Spätsommer nicht trockenfällt, ist es deshalb teilweise notwendig die Gewässer abzufischen.

Die Erwachsenen brauchen Struktur

Kammmolch (c) Christian Fischer (Wikimedia)
Kammmolch (c) Christian Fischer (Wikimedia)

Für die ausgewachsenen Molche stellen besonders Pestizide und Dünger eine Gefahr dar. Diese können sogar seine Haut zerstören. Auch die beschleunigte Eutrophierung und Sukzession durch den Einsatz von Nährstoffen stellt ein Problem dar. Deshalb müssen Puffer um die Gewässer geschaffen werden, in denen auf einen Einsatz von Bioziden und Nährstoffen verzichtet wird. Eine Abtrennung vom Grabensystem ist auch eine Möglichkeit Einträge aus der umgebenden Landschaft zu reduzieren.

Der Kammmolch hält sich nicht nur im Gewässer auf. Insbesondere von Oktober bis April findet er sich in Heckenstrukturen und im Grünland. Deshalb ist es wichtig diese Strukturen zu erhalten und nur wenig zu verändern, da er immer wieder an die gleichen Orte zurückkommt. Eine Vernetzung der Jahreslebensräume wird durch Altgrasstreifen, Totholz und Heckenstrukturen erreicht. Diese Strukturen erleichtern ihm sich von Gewässer zu Gewässer, bzw. zu einem Überwinterungsraum zu bewegen.

Maßnahmen für einen günstigen Erhaltungszustand

Um die seltenen Lebensräume und Arten im Gebiet zu erhalten ist es wichtig Maßnahmen zu verfolgen, damit ein günstiger Zustand der Population und der Lebensräume erreicht wird. Würden keine Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung erfolgen, könnten wir diese Naturschätze verlieren. Dies wäre nicht nur ein Verlust für die kommende Generation. Der Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot der EU kann direkte Folgen für die Bewirtschaftung im Gebiet haben. Deshalb sind wir gemeinsam verpflichtet dafür sorgen, dass ein günstiger Erhaltungszustand erreicht wird.

Hier finden Sie einen Überblick über das FFH-Gebiet 438 „Kammmolchbiotop bei Syke“.

Fieberklee im Grenzschlatt von Wilfried Meyer
Fieberklee im Grenzschlatt von Wilfried Meyer

 

 

 

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