Steinbeißer brauchen klare Verhältnisse

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Das FFH-Gebiet 250 „Untere Delme, Hache, Ochtum und Varreler Bäke“ hat nicht nur teilweise mäandrierende Bereiche mit flutender Wasservegetation und durchziehende Fluss- und Meerneunaugen zu bieten.

Seewolf (Anarrhichthys ocellatus)
Nicht unser Steinbeißer (By Chad King (SIMoN / MBNMS) [Public domain], via Wikimedia Commons)
Unser Steinbeißer ist weder Filet noch kommt er aus Phantasien

Auch der Steinbeißer fühlt sich hier wohl. Wer Steinbeißer hört denkt vielleicht zuerst an die unendliche Geschichte und dann an das Steinbeißerfilet vom letzten Restaurantbesuch. Doch beides hat nichts mit dem Steinbeißer zu tun, den wir in der Varreler Bäke und der Ochtum finden. Denn die Kreatur aus die unendliche Geschichte lebt in Phantasien und isst Steine. Und der Fisch aus dem das Filet geschnitten wird, heißt auch Seewolf, gehört zur Familie der Anarhichadidae, lebt in den kälteren Meeren der Nordhalbkugel, ist auch selten geworden und kann bis zu ein Meter lang werden. Das ist etwa das 25fache von unserem heimischen Steinbeißer, der unauffällig in unseren Fließgewässern wohnt.

Oben klar unten sandig

Steinbeißer (Cobitis taenia)
Unser Steinbeisser (Armin Maywald / fischfauna-online.de)

Cobitis taenia, wie er auf schlau heißt, tummelt sich am liebsten in ruhigen, klaren, sonnenbeschienen Fließgewässern und den in den sie mündenden Abflussgräben, Altarmen oder Stillgewässern. Dort graben sie sich tagsüber in den sandigen Grund ein und kauen nachts den Sand durch, um Kleintiere und organisches Material hinaus zu filtern. Der Name Steinbeißer kommt also nicht von ungefähr.

Die Adjektive klar, ruhig, sonnenbeschienen verbinden wir nur noch mit wenigen Gewässern. Deshalb gilt es den geringen Nährstoffeintrag und die Klarheit durch eine schonende Gewässerunterhaltung und einen Pufferstreifen zu erhalten. Zur Erhaltung der genetischen Vielfalt ist auch die Durchgängigkeit wichtig, damit die tigerig gestreiften Fische sich austauschen können.

Der Steinbeißer ruht sich im Lebensraumtyp Stillgewässer aus

Ein wichtiger Rückzugsraum für den Steinbeißer bildet der schützenswerte Lebensraumtyp „Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut- oder Froschbissgesellschaften“ (3150), wie bspw. der Kirchweyer See. Charakteristisch dafür sind die gelbblühenden Teppiche der Gelben Teichrose (Nuphar lutea) und das unauffällige, breitfächrige Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), welches knapp unter der Wasseroberfläche schwebt.

Auch am Rande finden sich seltene Pflanzen

Mädesüß
Mädesüß und Zottiges Weirösschen an der Ochtum

An den Ufern der Fließgewässer finden sich noch zwei weitere Lebensraumtypen, die in diesem FFH-Gebiet aber weniger ausgeprägt sind. Bei Heiligenrode findet sich noch ein Relikt eines (91E0*) Auenwaldes mit Erle, Esche, Weide mit der wintergrünen, krautigen Winkel-Segge (Carex remota) im Unterholz. Und dann kommt in wenigen Bereichen die reichblühende feuchte Hochstaudenflur (6430) an den Rändern der Fließgewässer vor. Darin wachsen Blütenpflanzen mit so wohlklingenden Namen, wie Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) und Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum).

Schutz wird durch ein Landschaftsschutzgebiet gesichert

All diese seltenen Pflanzen, Tiere und Biozönosen werden nun durch ein Landschaftsschutzgebiet gesichert, welches den langfristigen Schutz garantieren soll. Die Verordnung muss an die FFH-Richtlinie angepasst werden und deshalb dienen die Verbote, Freistellungen und Maßnahmen dem Erhalt, die Entwicklung und Wiederherstellung der im Standarddatenbogen des FFH-Gebietes aufgeführten Lebensraumtypen und Arten.

Bald beginnt das öffentliche Verfahren, wo jeder das Recht hat die Verordnung und die geplanten Abgrenzungen einzusehen und eine Stellungnahme dazu abzugeben. Am 9. Februar wird es vorab eine Informationsveranstaltung geben, wo über die Besonderheit des Gebietes und die kommenden Änderungen berichtet wird. Nähere Informationen hierzu finden Sie in kürze auf dieser Seite.

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